Exkursion an Schleswig-Holsteins Ostseeküste 2006

Die jährliche Exkursion der Fachgruppe Ornithologie des Nabu Kreisverbands Potsdam - Havelland führte vom 28.04. bis zum 01.05.2006 nach Schleswig-Holstein auf die Halbinsel Wagrien (Kreise Ostholstein und Plön) und die Insel Fehmarn.

Schon kurz nach der Ankunft am 27.04.2006 gegen 21:00 Uhr in den Ferienwohnungen "Achter't Holt" (plattdeutsch für "Hinter dem Wald") von Familie Siems (www.meeresbrise.de)wurden wir von Schleiereule und Waldkauz begrüßt. Am nächsten Morgen ging es auf die Insel Fehmarn zum NSG Grüner Brink. Neben Strandseen mit Enten, Brandgänsen und balzenden Rothalstauchern beeindruckte ein sog. Windwatt, das an flachen Sandstränden bei ablandigen Wind auftritt und entfernt an das Watt der Nordseeküste erinnert, mit Limikolen und Seeschwalben.

Nächste Station war das neu renovierte Nabu-Zentrum Wallnau. Die Beobachtungshütten machen es möglich, Säbelschnäbler, Austernfischer, andere Limikolen, Enten und Gänse aus nur wenigen Metern zu beobachten.

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen zur Exkursion in den Laubmischwald der Dahmer Holzkoppel (FFH-Gebiet), direkt neben unseren Ferienwohnungen. Leider war es mit ca. 5°C so kalt, dass nur wenige Vögel sangen, u.a. der Mittelspecht, der in Potsdam und Umgebung häufig ist, jedoch in Schleswig-Holstein eine Seltenheit.

Nach dem Frühstück ging es weiter NSG Graswarder in Heiligenhafen,bekannt für seine Sturmmöwenkolonie. Bei leichtem Regen, der uns im neu gebauten Beobachtungsturm (von Prof. Meinhard von Gerkan entworfen, der u.a. auch den neuen Hauptbahnhof in Berlin geplant hat, architektonisch interessant, aber für eine Gruppe von 10 Ornis mit Spektiven nicht optimal, da sehr verwinkelt)aber nichts anhaben konnte, waren besondere Höhepunkte ein Steinwälzer, unsere ersten Eiderenten, die auch auf dem Graswarder brüten, und ein Braunkehlchen,das auch den Vogelwart vom Graswarder überraschte.

Nachmittags fuhr ein Teil von uns - immer noch im Regen - zum Lenster Strand, wo ein kleiner Teil des Strandes im Sommer absgesperrt wird, um einigen Zwergseeschwalben die Aufzucht ihrer Brut zu ermöglichen. Gegen Abend wurde das Wetter wieder besser, so dass der andere Teil auch noch zum NSG Lenster Strand - Klostersee loszog. Am Strand selber war wenig zu sehen, aber in den Wiesen hinter den Dünen machte ein Habicht spektakulär Jagd auf im Schilf rastende Bachstelzen, begleitet vom Schnarren eines Feldschwirls.

Ziel des dritten Tages waren das NSG Kleiner Binnensee,das NSG Sehlendorfer Binnensee und die Steilküste Eitz bei Weißenhaus. Am Kleinen Binnensee waren wieder diverse Enten, ein paar Limikolenarten und ein beeindruckender Trupp von ca. 20 Zwergmöwen zu beobachten. Und aus fast jedem Busch in den Knicks war der Gesang der Heckenbraunelle zu hören, die in der Umgebung von Potsdam nur selten vorkommt. Von den Dünen konnten wir auf dem Meer gegen frischen und kalten Nordwind Eider- und Eisenten sehen. Auf dem Sehlendorfer Binnensee saßen viele Enten und Blessrallen, doch plötzlich flogen alle auf. Ein Blick nach oben zeigte warum: gleich drei Seeadler waren im Anflug, die dann aber ohne einen ernsthaften Jagdversuch zu unternehmen wieder abzogen. Von Sehlendorf aus wanderten wir an der Steilküste Richtung Weißenhaus und wurden von 5 Schwarzhalstauchern und weiteren - jetzt viel besser zu sehenden - Eis- und Eiderenten überrascht.

Auf dem Rückweg nach Potsdam machten wir an den Linumer Teichen halt. Mit Kolbenenten kann man in Linum immer rechnen, aber sechs Insekten jagende Baumfalken sieht man nicht häufig. Und die eifrig bei ca. 20°C singende Nachtigall bewies, dass in Brandenburg der Frühling doch früher beginnt als in Ostholstein.

Mit 127 beobachteten Arten (+ 13 weiteren Arten auf der Fahrt oder in Linum) war die Reise an die Ostsee ein voller Erfolg. Die kalte Witterung der letzten Wochen hat sicher dazu beigetragen, dass einige Arten entweder noch gar nicht angekommen waren oder zumindest nicht sehr intensiv sangen. Es gelangen bei vielen Arten nur relativ wenige Beobachtungen, insbes. einige Limikolenarten waren nur in einzelnen Exemplaren anzutreffen. Von einigen Artengruppen (Enten, Greifvögel) haben wir aber fast alle Arten, mit denen man in Deutschland zu dieser Zeit rechnen kann, gesehen.